{"id":239,"date":"2026-08-17T20:19:44","date_gmt":"2026-08-17T18:19:44","guid":{"rendered":"https:\/\/text.fm-la.eu\/?p=239"},"modified":"2026-08-21T20:08:54","modified_gmt":"2026-08-21T18:08:54","slug":"das-ganze-leben-ein-volksschauspiel-auf-halber-hoehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/text.fm-la.eu\/?p=239","title":{"rendered":"Das ganze Blinde-Leben &#8211; Ein Volksschauspiel auf Halber H\u00f6he"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: left;\">Mal ehrlich: Wenn niemals mehr ein Scha\u00dfaugada in voller Wucht mit seiner Birne an eine Glasscheibe krachen w\u00fcrde, w\u00e4re das Leben nicht mehr lustig! Wenn das wirkliche Leben denn eine Slapstick-Show w\u00e4re oder ein billiges Volks-Lustspiel: \u00dcber eine Begegnung in Waidhofen an der Ybbs, \u00a0im Jahr 2015 und deren Vorgeschichte:<!--more--><\/h6>\n<p>Man trifft ihn auf halber H\u00f6he am Hausberg der Waidhofner. Nur wenige Meter nachdem man den beliebten, bei Waidhofnern beliebten Parkplatz bei der Sattelh\u00fctte, auf halber H\u00f6he des Buchenbergs hinter sich gelassen hat, trifft man ihn. Viele Fahrzeuge parken dort, vielleicht auch das Seine? Das eigene nicht. Mangels Lenkerberechtigung, weil zu wenig Sehkraft, weil mangels Mitfahrgelegenheit, weil &#8230; weil man es will, weil man es f\u00fcr die einzig richtige Art h\u00e4lt, sich dem Buchenberg zu n\u00e4hern. ist man wie immer vom &#8222;Zu Hause&#8220; mitten in der Stadt auf den Hausberg gewandert, l\u00e4sst den beliebten, bei Waidhofnern beliebten Parkplatz bei der Sattelh\u00fctte auf halber H\u00f6he selbst wie immer unbeparkt, sp\u00fcrt, riecht, passiert jedes, auf halber H\u00f6he zahlreich geparkte Fahrzeug &#8211; mit dem Blindenstock den Asphaltrand der Grasbergstra\u00dfe entlang tastend &#8211; l\u00e4sst alle diese Stinker dann rechts liegen, biegt in den Schotterweg und geht noch ein paar Schritte weiter, Richtung Kapuzinerbrunnen. Und dort trifft man ihn: &#8222;Kennst mi?&#8220; Nein, und nicht einmal am folgenden aufgesetzten lauten Lacher erkennt man ihn. Er stellt sich aber gleich darauf selbst als&#8220; Bekannter Waidhofner Volksschauspieler &#8220; vor. Er f\u00e4nde das gro\u00dfartig, wie man das mache! Als Blinder, mit einem Stock den Berg, die Natur ertasten! Gro\u00dfartig! Mit Unbehagen aber doch l\u00e4sst man sich auf das Gespr\u00e4ch ein. Ja, das sei nur m\u00f6glich, wenn man die Gegend gut kenne, in der Fremde ginge das gar nicht &#8211; sich als Blinder in der Natur so frei zu bewegen, erkl\u00e4rt man. Aber hier am Hausberg der Waidhofner, der also auch der eigene Hausberg sei und den man seit Jahren mehrmals w\u00f6chentlich von der Stadt &#8211; also von ganz unten her tastend besteige, sei das auch blind machbar, wenngleich mit sehr viel Konzentration verbunden und sehr kr\u00e4ftezehrend.<br \/>\nJa diese Konzentration! Die kenne er! Wenn er neue Rollen lernen m\u00fcsse sei das auch so. Alles m\u00fcsse er dann ausblenden, h\u00f6chste Konzentration, sehr kr\u00e4ftezehrend! Er verst\u00fcnde das, meint der beliebte Volksschauspieler. Man wird mit Guten W\u00fcnschen und den bereits bekannten aufgesetzten lauten Lacher verabschiedet und ist erleichtert, als sich die Schritte unterst\u00fctzt von zwei spitzen St\u00f6cken den Schotter stechend, den Boden tretend rasch entfernen.<\/p>\n<p>Eigentlich hat man es sich l\u00e4ngst abgew\u00f6hnt, solche Begegnungen zu reflektieren. Dar\u00fcber nachzudenken, wenn sehende meinen, sie w\u00fcrden das verstehen. Verstehen, wie man es schafft, den letzten Rest seines Augenlichts auszubeuten, wie es m\u00f6glich ist, das von Sehenden Gesehene \u00a0zu erg\u00e4nzen, um den Weg, um sein Leben selbstst\u00e4ndig zu finden.<br \/>\nDiesmal l\u00e4sst man sich den Schotterweg entlang tastend doch wieder mal drauf ein!<br \/>\nW\u00e4hrend der beliebte Volksschauspieler alles ausblendet, um seine Rollen zu erlernen, muss der Blinde irgendwie alles einblenden, was ihm seine Augen verheimlichen, um den Weg zu finden, denkt man. Eigentlich das v\u00f6llige Gegenteil! Da hat der &#8230; irgendwas verwechselt! Und dennoch die Frage, woher sollte man den bekannten Waidhofner Volksschauspieler kennen? Ist man ihm schon mal begegnet? Passend Kost\u00fcmiert als Fortunatus Wurzel, als Menschenfeind, als v\u00f6llig irren Gast der Pension Sch\u00f6ller &#8211; vielleicht sogar als dem Irren mit dem Sprachfehler &#8211; oder verkleidet als einer der Sieben Zwerge im Theater des Stadtsaals? Ratlosigkeit bis man, immer dem Forstweg folgend. den sogenannten &#8222;Schwammerlplatz&#8220; erreicht. Dann aber doch das &#8222;AHA&#8220;.<br \/>\nNicht auf der B\u00fchne, im richtigen Leben ist man ihm schon mal begegnet. Ja, jetzt ganz sicher! Damals, als man w\u00e4hrend einer privaten Feier mit einem Tablett in der Hand voll gegen die Terrassent\u00fcre geknallt ist! Dieser Lacher, dieser aufgesetzte laute Lacher, der einen solange Zorn in jede Pore fahren lies, bis ein anderer Gast den beliebten Volksschauspieler br\u00fcsk drauf aufmerksam machte:&#8220;Sie k\u00f6nnen doch keinen Blinden auslachen!&#8220;, was den bekannten Volksschauspieler damals durchaus br\u00fcskierte, aber seinem lauten Lachen wenigstens ein Ende bereitete.<\/p>\n<p><em>Die Welt ist keine B\u00fchne, und nicht jeder, der gegen eine T\u00fcre l\u00e4uft, tut das mit Absicht, schon gar nicht mit der Absicht, andere zu erheitern!<\/em><\/p>\n<p>Selbst wenn diese Szene nahelegt, der bekannte beliebte Volksschauspieler w\u00fcrde das anders sehen. Als Erkl\u00e4rung liesse man eventuell noch gelten, wenn der beliebte Volksschauspieler irgendwann, vielleicht best\u00e4rkt vom lauten Beifall oder durch die Unzahl der Klack\u00f6re, zur zugegebener Ma\u00dfen etwas gewagten Einsch\u00e4tzung gekommen w\u00e4re, das ganze Leben sei ein Volksschauspiel. Man stellt sich in dem Moment auch noch vor, er h\u00e4tte recht! Moment mal!!! Dann sollte man aber schleunigst umdrehen und ihm nach: Er kenne doch sicher die schrille \u00e4ltere Dame, welche f\u00fcr ihn und die anderen beliebten Volksschauspieler das Volksschauspiel schreibe oder spielbar mache! Und dann k\u00f6nnte er sogar zum Retter der Welt werden, oder, man denkt zuerst mal an sich selbst &#8211; mindest den Schmerz des Blinden verhindern, wenn dieser wieder mal mit voller Wucht wo dagegenknallt. \u00a0Er m\u00f6ge die Autorin des Volksschauspiels doch bitten, die B\u00fccher f\u00fcr die kommenden Spielzeiten zu adaptieren: Und zwar in der Weise, dass auch Blinde nicht mehr an Glast\u00fcren laufen m\u00fcssten, nur um andere zum lachen zu bringen. Das l\u00e4ge doch in der Feder dieser Dame, Obwohl: Ob dann \u00a0das ganze Leben noch ein Schauspiel nach des Volksschauspielers Gusto w\u00e4re? Allerdings folgt darauf auch gleich die Ern\u00fcchterung. Man w\u00fcrde ihn, der sich l\u00e4ngst mit seinen zwei St\u00f6cken raschen Schrittes von \u00a0halber H\u00f6he des beliebten Hausbergs der Waidhofner Richtung ganz oben aufgemacht hat, wohl nicht mehr einholen. Und man selbst sollte sich jetzt mit dem einen wei\u00dfen Stock eher von halber H\u00f6he des Buchenbergs, auf den Weg nach unten machen, in die Stadt. Damit die eigene Kraft und Konzentration nicht schwinden, bevor man das Zu Hause sicher zu Fu\u00df erreicht hat.<\/p>\n<h5><a href=\"https:\/\/text.fm-la.eu\/?page_id=52\">Gewidmet<\/a> Josef &#8222;Schnee&#8220; Fangmeyer<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mal ehrlich: Wenn niemals mehr ein Scha\u00dfaugada in voller Wucht mit seiner Birne an eine Glasscheibe krachen w\u00fcrde, w\u00e4re das Leben nicht mehr lustig! 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