{"id":63,"date":"2026-07-31T12:53:44","date_gmt":"2026-07-31T10:53:44","guid":{"rendered":"https:\/\/text.fm-la.eu\/?p=63"},"modified":"2026-08-13T23:33:08","modified_gmt":"2026-08-13T21:33:08","slug":"der-sieht-das-eh-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/text.fm-la.eu\/?p=63","title":{"rendered":"Der sieht das eh nicht"},"content":{"rendered":"<h6>F\u00fcr mich, der ich seit meiner Geburt mit einer &#8222;Sinnesbehinderung&#8220; lebe, ist es jedesmal schwer zu ertragen, wenn irgendwer ebendiese schamlos ausn\u00fctzt. Wenn das aber durch die n\u00e4chsten Angeh\u00f6rigen passiert, und zwar in einer Art und Weise, die dem &#8222;Behinderten&#8220; alle Rechte, selbst die aufs &#8222;ich&#8220; nimmt, und das noch in einer &#8211; harmlos ausgedr\u00fcckt &#8211; bis zur Verh\u00f6hnung gesteigerten Hinterfotzigkeit, ist das f\u00fcr mich UNERTR\u00c4GLICH. Ich fand das damals zum kotzen und finde es auch heute noch zum Kotzen.<br \/>\nDer Text war als &#8222;Denkansto\u00df&#8220; und auf jeden fall auch in gro\u00dfer Wut an die Verantwortlichen appellierend geschrieben. Ge\u00e4ndert an der Haltung der Familie gegen\u00fcber Menschen mit Behinderung (selbst den eigenen &#8222;scha\u00dfaugadn Familienmitgliedern&#8220; gegen\u00fcber) hats leider nichts. Aber mach dir selbst ein Bild. Hier der \u00a0Text aus dem Juni 2017:<!--more--><\/h6>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Von einer Wunderfotografie soll hier die Rede sein. Von einem Bild, auf dem mehrere Personen zu erkennen sind. Aber eine der Personen verschwindet von diesem Foto, je nach dem, wer dieses Bild gerade betrachtet.<br \/>\nMehr als r\u00e4tselhaft, eher v\u00f6llig unglaubw\u00fcrdig schien mir die Geschichte des Wunderbildes, als er sie mir vor zwei oder drei Jahren in der Pause eines Konzerts der Bierm\u00f6sl Blasn im hiesigen Stadtsaal das erste mal erz\u00e4hlt hatte: F\u00fcnf oder sechs Menschen als Familie angeordnet befinden sich auf dem Bildnis. Genau wei\u00df er es nicht, weil man es auch gar nicht wirklich wissen k\u00f6nne. Angeblich sei auch er auf dem Foto. Aber er selbst hat sich noch nie darauf gesehen. Wenn nun ein Nachbar vor<\/p>\n<p>das Familienfoto tritt und zuerst das Bild, dann ihn ansieht, ja dann w\u00e4re sein Urteil Eindeutig. Ja, sechs Personen seien auf dem Foto. Und er? Ja, er sei auch dabei! Wenn seine Eltern und Geschwister vor dem Foto stehen, dann verschwindet er sofort von demselben. Und dann wurde es noch verwirrender: Wenn nun seine Eltern gemeinsam mit jenem Nachbarn, der ihn gerade noch auf dem edel gerahmten Bild erkannt hat, das Foto betrachten: Sofort sei er weg! Keine spur von ihm auf dem Gruppenbild.<br \/>\n\u201eVerwirrend, unglaubw\u00fcrdig, nicht nachvollziehbar\u201c, denken sie? Ich dachte das auch. Und dennoch werde ich im Folgenden versuchen, die Geschichte dieses Wunderbildes schl\u00fcssig darzulegen. Davor erlaube ich mir aber noch, sie, werte Leserin, werter Leser, um Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu bitten, dass ich einige der absurdesten Aspekte dieser Geschichte verschweige. Obwohl f\u00fcr mich mittlerweile absolut zweifelsfrei erwiesen, w\u00fcrden manche Details der hier zu Schildernden Tatsachen der Glaubw\u00fcrdigkeit dieser Geschichte eher schaden und sie werte Leserin, werten Leser in noch gr\u00f6\u00dferer Ratlosigkeit oder Entr\u00fcstung zur\u00fccklassen, als dies ohnehin der Fall sein wird.<br \/>\nUnd nun machen sie sich selbst ein Bild:<br \/>\n1.Die Menschen setzen<br \/>\nPr\u00e4misse: \u2014<\/p>\n<p>Alle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Br\u00fcderlichkeit begegnen.<br \/>\n\u2014<br \/>\nUN Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948<br \/>\n2.den Blinden<br \/>\n\u201eIch m\u00f6chte das nicht!\u201c, sagte er. \u201eLass das bitte!\u201c oder \u201eMach das nicht, sonst wirst du &#8230;\u201c. Er hat auch mal laut geschrien. \u201eNein!\u201c, hat er gerufen. Fast drohend oder Angst machend war das f\u00fcr sie.<br \/>\nImmer h\u00e4ufiger wollte er etwas nicht, wollte nicht, wovon sie \u00fcberzeugt waren. \u201eEs ist gut f\u00fcr ihn\u201c, dachten sie, \u201eDas ist doch richtig so.\u201c Was sie belustigte, wollte er immer \u00f6fter nicht. Was sie erfreute verneinte er mehr und mehr. Jedesmal, wenn er das \u201eBeste f\u00fcr Ihn\u201c ablehnte, standen sie vor der Entscheidung: \u201eLassen wir\u2019s oder machen wir\u2019s und sorgen daf\u00fcr, dass er\u2019s nicht erf\u00e4hrt?\u201c<br \/>\nDas eine mal hat er es sogar abgelehnt, mit auf das Familienfoto geknipst zu werden. Seine Gr\u00fcnde daf\u00fcr? Unerfindlich, unerkl\u00e4rlich absurd, \u201eWas weis ich?\u201c, \u201eWas der schon wieder hat?\u201c<br \/>\n\u201eEgal\u201c, dachten sie \u201eKopieren wir ihn eben drauf aufs Foto\u201c, dachten sie, \u201eWir haben da noch ein \u00e4lteres Bildchen!\u201c, dachten sie. \u201eDie moderne Technik macht\u2019s m\u00f6glich\u201c, wussten sie, und \u201eDer sieht das Foto sowieso nicht, weil er blind ist!\u201c, wussten sie auch. Zu ihm sagten sie: \u201eNa gut dann halt nicht!\u201c<\/p>\n<p>3.ins Bild<br \/>\nEdler Rahmen umschlie\u00dft das Familienfoto. Gleich gegen\u00fcber der Eingangst\u00fcr wird es in einem beinahe feierlichen Akt, die gesamte Familie hat sich zu diesem Anlass auf Gehei\u00df der Mutter im Flur versammelt, an der Wand befestigt.<br \/>\n\u201eDu wolltest ja nicht drauf!\u201c, sagen sie. Erleichtert nimmt er diesen Satz wahr. \u201eHier sieht es jeder, der in unser Haus kommt!\u201c meinen sie. Dieser Satz l\u00e4sst seine Erleichterung wieder verfliegen. \u201eIch bin nicht jeder\u201c, denkt er und fasst seinen wei\u00dfen Stock fester.<br \/>\nDas \u201eDingdengdongdidong\u201c der T\u00fcrglocke unterbricht die Zeremonie.<br \/>\n\u201eDas ist das neue Familienfoto!\u201c, meint Frau Polatz noch bevor sie alle mit nachbarschaftlichem H\u00e4ndedruck begr\u00fc\u00dft. \u201eSehr sch\u00f6n, und die ganze Familie ist drauf, der Opa, die Eltern und alle drei Kinder! Schau da ist ja sogar der &#8230;\u201c. Einem dumpfen Schlag und allgemeinem Raunen folgend setzt die Nachbarin den Satz erst stockend, dann stotternd fort: \u201e&#8230; Ah, eh, hm, nein da hab ich mich wohl verschaut. Das ist ja gar nicht der &#8230;\u201c. Das verlegene, gezwungene Lachen von Frau Polatz nimmt er nur noch von Weitem war. Im selben Moment, in dem er nicht weis, ob er laut \u201eNein\u201c schreien muss, oder ob er sie wieder einmal bitten soll, sowas doch nicht zu tun, springt sein Geist ins damals. Vor ihm stehen die beiden Burschen. Direkt vor ihm beschlie\u00dfen sie lautstark: \u201eHe, den Blinden legen wir jetzt!!\u201c Er muss gar nicht hinh\u00f6ren. Sie besiegeln<\/p>\n<p>sein Schicksal un\u00fcberh\u00f6rbar. Es ist unausweichlich. Er weis nicht: \u201eSoll ich jetzt laut Nein schreien, oder He Buaschn, lossts des bitte sagen?\u201c Er kracht mit dem Kinn zuerst auf die Pflastersteine vor dem kleinst\u00e4dtischen Rathaus. \u201eHost des eh alles drauf?\u201c, h\u00f6rt er den mit der tieferen Stimme sagen.<br \/>\nW\u00e4hrend dessen erl\u00f6st ihn der verabschiedende H\u00e4ndedruck von Frau Polatz aus dieser Qual, wirft ihn aber zugleich in den unvergleichlich gr\u00f6\u00dferen Schmerz zur\u00fcck.<br \/>\n\u201eLasst das bitte!\u201c oder \u201eWenn ihr dass nochmal, dann &#8230;\u201c, m\u00f6chte er zu ihnen sagen. Und sie st\u00fcnden wieder vor der Entscheidung: \u201eWir lassen es, weil er es nicht will!\u201c oder \u201eWir machen es und sorgen daf\u00fcr, dass er es nie erf\u00e4hrt! Er sieht ja eh nix!\u201c<br \/>\nDiesmal sagt er aber nichts, schreit auch nicht. Er kennt ihre Entscheidung schon. Statt dessen umfasst er seinen wei\u00dfen Stock noch etwas enger und tastet sich \u00fcber die Schwelle der Eingangst\u00fcre ins Freie.<br \/>\n\u201eWegen mir muss die Nachbarin jetzt jedesmal L\u00fcgen, wenn sie unser Haus betritt\u201c, denkt er und \u201eDas will ich nicht\u201c, denkt er und \u201eDas kann nicht mehr mein Zu Hause sein!\u201c, denkt er und geht.<br \/>\n4.der Anderen.<br \/>\n\u201eHerta hat auch f\u00fcr dich eine Einladung da gelassen.\u201c und \u201eAber du wirst ja eh nicht mit gehen wollen!\u201c, haben sie zu ihm gesagt.<\/p>\n<p>Er nimmt das feste, leicht geriffelte Papier aus dem Flachbettscanner. Mit \u201eIch freue mich auf Eueren Besuch!\u201c hatte Frau Polatz die Einladung zu Ihrer 60er Feier enden lassen. \u201eLieber w\u00e4re mir gewesen, sie h\u00e4tte es mir pers\u00f6nlich gesagt!\u201c, w\u00fcnscht er sich. \u201eAber die moderne Technik macht\u2019s m\u00f6glich.\u201c Die Computerstimme, welche ihm die Einladung vorgelesen hat, erinnert ihn jetzt sogar ein wenig an den Klang der Nachbarin, dieses \u00dcberdeutliche und das nicht zu h\u00f6rende aber doch zu ahnende N\u00e4seln, speziell in den Stimmsenkungen, \u201eVerbl\u00fcffend!\u201c, meint er.<br \/>\nEs ist \u00fcber drei\u00dfig Jahre her, aber das erste gemeinsame Erlebnis mit der Nachbarin vergisst er nicht. Oft genug haben sie es ihm geschildert. Auf dem T\u00f6pfchen sei er gesessen, im Alter von zweieinhalb Jahren sei er noch in der K\u00fcche auf dem gr\u00fcnen T\u00f6pfchen gesessen, als es am Fenster klopfte, sie h\u00e4tten dieses sogleich ge\u00f6ffnet, und die in den Senkungen leicht n\u00e4selnde Stimme h\u00e4tte hereingerufen: \u201eHallo, ich bin die neue Nachbarin, Mein name ist Polatz.\u201c<br \/>\n\u201ePopolatz popo popo popolatz\u201c h\u00e4tte er auf dem mint- gr\u00fcnen Topf sitzend infantil grinsend gebrabbelt. Lauter, immer lauter und nachdr\u00fccklicher, er h\u00e4tte gar nicht mehr aufgeh\u00f6rt \u201epopo popo popolatz\u201c zu schreien. Mein Gott sei ihnen das peinlich gewesen, bis heute sei ihnen das peinlich!<br \/>\nDie Nachbarin hat das wahrscheinlich bald vergessen. Oder sie hatte ihm diese \u201eVerunglimpfung\u201c nicht so \u00fcbel genommen, wie sie es taten. Sonst h\u00e4tte ihn Frau Polatz<\/p>\n<p>als Kind nicht h\u00e4ufig in ihren Garten gebeten, h\u00e4tte ihm nicht verschiedenste Fr\u00fcchte aus eigenem Anbau kredenzt. Sie h\u00e4tte ihm bestimmt keine Gru\u00dfkarte zur bestandenen Matura geschickt. Auf keinen Fall h\u00e4tte sie ihn sonst im Krankenhaus besucht, damals als mit ihm gar nichts mehr anzufangen war, als er nur noch zwischen Heulkr\u00e4mpfen und Wut vegetierte, weil er dabei war, den letzten Rest seiner Sehkraft zu verlieren.<br \/>\n\u201eHingehen werde ich nicht, nein!\u201c, sagt er und weis auch warum. Das Familienfoto h\u00e4ngt noch immer im Flur, und er will nicht, dass andere wegen ihm l\u00fcgen m\u00fcssen. \u201eBesorgt bitte eine Gru\u00dfkarte und ich unterschreib dann!\u201c, bittet er und \u201eWieviel gibt man rein, damit\u2019s nicht peinlich wirkt?\u201c, m\u00f6chte er wissen.<br \/>\nOb er nicht doch mitkommen wolle, fragen sie, Geschenke, teueren Wein und die Gru\u00dfkarte in H\u00e4nden. \u201eGute Unterhaltung!\u201c, antwortet er und entl\u00e4sst sie an der Haust\u00fcre in den Garten. Er schlie\u00dft die T\u00fcr hinter ihnen, dreht den Schl\u00fcssel diesmal sogar dreimal um, wendet sich zur Wand gegen\u00fcber, tastet suchend, streicht mit dem rechten Zeigefinger \u00fcber den edlen Rahmen des Familienfotos, m\u00f6chte es am liebsten &#8230; um wieder an einen Funken ihrer Loyalit\u00e4t glauben zu k\u00f6nnen, macht es auch heute nicht formuliert seine Hoffnung, spricht sie laut aus, schreit sie eher: \u201eWenn an diesem Abend jemand wegen mir l\u00fcgen muss, werde ich es nie, nie erfahren, bitte!\u201c<br \/>\n5.Epilog<\/p>\n<p>Lieber als er selbst, ist ihnen schon lange das Bild von ihm, wei\u00df er. Und er wei\u00df auch, dass sie lieber ihr Bild von ihm unter die Leute bringen wollen, als ihn selbst. Ist einfacher, ist weniger anstrengend, ist nicht andauernd \u201eWas hat der den jetzt schon wieder?\u201c oder \u201eWas haben wir wieder falsch gemacht?\u201c<br \/>\nEr versteht das! Was er aber nicht versteht und auch nie verstehen m\u00f6chte ist das \u201eDer merkt das eh nicht!\u201c, denn das missachtet seine W\u00fcrde und das \u201eDer sieht das eh nicht!\u201c, denn damit nutzen sie seine Behinderung schamlos aus. Das macht ihn traurig und f\u00fcllt seine f\u00fcr ihn wertlosen Augen regelm\u00e4\u00dfig mit Tr\u00e4nen und macht sein f\u00fcr sie wertloses ich jedesmal noch ein St\u00fcck kleiner.<br \/>\n\u2014<br \/>\n&#8230; in der Erkenntnis, dass das Verst\u00e4ndnis von Behinderung sich st\u00e4ndig weiterentwickelt und dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern,<br \/>\nAus der Pr\u00e4ambel des \u201e\u00dcbereinkommen \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen\u201c \u2013 Fakultativprotokoll 13.12.2006<br \/>\n\u2014<br \/>\np.s.<br \/>\nWas jetzt noch zu sagen w\u00e4re, liebe Leserin\/lieber Leser:<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich ihm die naheliegendste Frage gestellt, h\u00e4tte er sie denn nie gebeten, das Foto wieder abzunehmen? \u201eNein\u201c hat er geantwortet. \u201eVielleicht h\u00e4tten sie mir das sogar versprochen, aber h\u00e4tte ich es auch geglaubt? Und wen h\u00e4tte ich denn fragen sollen, ob es auch stimmt? Die Nachbarn? Die Familie? Dann w\u00e4re wahrscheinlich gleich das gesamte Bild da oder weg gewesen, je nach dem, wer es gerade betrachtet h\u00e4tte.\u201c Diese Erkl\u00e4rung hat mich sogleich auf die schwerwiegendste Frage gef\u00fchrt, die die Geschichte vom Wunderfoto aufgeworfen hat: Wem er denn noch vertraue oder Glaube, habe ich ihn gefragt. Die Antwort blieb er mir schuldig.<\/p>\n<p><strong>Anm:<\/strong> I<em>m Epilog des gesamten Blogs habe ich mich nochmals mit Fragen, die dieses Wunderfoto ausl\u00f6st, n\u00e4mlich dem \u201eWie kanns in so einer Familie weitergehen?\u201c befasst. Hier die entsprechende Textpassage:<\/em><br \/>\n<em>Zum Familienfoto h\u00e4tte ich noch eine Frage, eher eine Bitte:<\/em><br \/>\n<em>Vielleicht k\u00f6nnen wir uns zumindest diesbez\u00fcglich absprechen. Ich wei\u00df nicht, ob du den Text. Der sieht das eh nicht gelesen hast? Ist aber auch gar nicht so wichtig. Du wei\u00dft welches Foto ich meine, das wo wir ihn draufkopiert haben.<\/em><br \/>\n<em>Wegen besagtem Foto liegt der mir st\u00e4ndig in den Ohren. Ich halt das bald nicht mehr aus. Und damit ich endlich Ruhe habe, w\u00e4re mein Vorschlag:<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sagen ihm, das war alles nur ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis.<\/em><br \/>\n<em>Wir sagen ihm, er ist gar nicht zu sehen auf dem Foto und zwar wirklich nicht. Dann k\u00f6nnen wir ihm auch sagen, er bilde sich nur ein, wir h\u00e4tten alle m\u00f6glichen Leute angewiesen, ihn auf dem Foto nicht zu sehen. Und au\u00dferdem k\u00f6nnte ich ihn endlich davon abbringen, zu meinen, die Vorg\u00e4nge um dieses Foto seien ein symptomatisches Bild f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis seiner Familie zu ihm. Diese Manipulationen w\u00fcrden ihm seinen Platz in der Verwandtschaft zuweisen, n\u00e4mlich dem des \u201eletztem behinderten Trottels, mit dem man alles machen k\u00f6nne, der merke das eh nicht.\u201c<\/em><br \/>\n<em>Das musst Du Dir mal vorstellen: Mir gegen\u00fcber behauptet der st\u00e4ndig diese Geschichte mit dem Familienfoto w\u00fcrde sich in den Schwanz bei\u00dfen. Wenn er sich sicher sein k\u00f6nnte, seine Familie w\u00fcrde nicht st\u00e4ndig zu solchen entw\u00fcrdigenden Methoden greifen, h\u00e4tte er sich ohne weiteres fotografieren lassen. Ja, er w\u00e4re sogar stolz drauf gewesen, behauptet er. Aber der behauptet viel. Einmal wollte er mir sogar weismachen, eines seiner Geschwister h\u00e4tte ihm vorgeworfen, er w\u00fcrde seine Eltern bevormunden, ihm, den man mit \u00fcber 40 Jahren nicht einmal zugesteht, zu wissen, ob er auf einem Foto zu sehen ist oder nicht, werfe man das vor und jedes mal, wenn er dran denken w\u00fcrde geriete er in Rage.<\/em><br \/>\n<em>Du wei\u00dft ja wie das ist, der regt sich st\u00e4ndig auf, was der sich immer aufregt, wegen nix und wiedernix.<\/em><br \/>\n<em>Und drum: Diesmal m\u00fcssen wir aufpassen und konsequenter sein, als wir es bisher waren, damit der sichnicht wieder so aufregt! Wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass alle die auf dem Foto zu sehen sind, wieviele sind das wohl, auf seine Nachfrage behaupten, er sei nicht drauf. Und wir m\u00fcssen daf\u00fcr sorgen, dass f\u00fcr alle, die dieses Foto jemals gesehen haben oder noch sehen werden, wieviele sind das wohl, das Gleiche gilt.<\/em><br \/>\n<em>Auf keinen Fall darf jemand ausscheren, sonst geht der Zirkus von vorne los.<\/em><br \/>\n<em>Puh, jetzt, wo mir \u00fcberschlags-m\u00e4\u00dfig eine Zahl der zu instruierenden Personen vorschwebt, scheint mir der Plan doch nicht mehr so sicher, hunderte Zeugen einweisen, nein, das schaffen wir nicht einmal gemeinsam. Und vielleicht ist doch einer dabei, der zu ihm noch ein bisschen Loyalit\u00e4t hegt. Dann war alles wieder umsonst. Auweh, nein ist wahrscheinlich doch nicht machbar.<\/em><br \/>\n<em>Dann machen wir es doch weiter, wie bisher!<\/em><br \/>\n<em>Ich rede ihm ein, er bildet sich das alles eh nur ein, bei Bedarf such ich halt irgendeinen S\u00fcndenbock, oder geh gleich in die Gegenoffensive und greif ihn frontal an. Da gibts eh genug wunde Punkte, und der ist eh so empfindlich.<\/em><br \/>\n<em>Und Du sorgst weiter daf\u00fcr, dass er m\u00f6glichst mit niemandem zusammentrifft, der ihn auf dem Foto gesehen hat. Ja, das wird das Beste sein. bis er irgendwann aufh\u00f6rt. Dann sehen wir weiter, oder was meinst Du? HastDueinebessereIdee?<\/em><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<h5><a href=\"https:\/\/text.fm-la.eu\/?page_id=52\">Gewidmet:<\/a> Josef &#8222;Schnee&#8220; Fangmeyer &#8211; \u00a0obwohl, \u00a0ob der tats\u00e4chlich verantwortlich war f\u00fcr die Fotocollage? Das scheint mir bis heute fraglich! Vielleicht war \u00a0er in der Not der direkten verbalen Konfrontation mit oben Geschildertem f\u00fcr Annegret Fangmayer nur ein brauchbarer &#8222;Depp&#8220;, damit \u00a0sie ihre Unbeflecktheit bewahren konnte. In diesem Fall ist die Widmung f\u00fcr den Fangmeyer Sepp nat\u00fcrlich nur stellvertretend. Eigentlich w\u00fcrde sie dann wohl Annegret, Engelbert oder Marcus Fangmayer geb\u00fchren. Oder allen Dreien!<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich, der ich seit meiner Geburt mit einer &#8222;Sinnesbehinderung&#8220; lebe, ist es jedesmal schwer zu ertragen, wenn irgendwer ebendiese schamlos ausn\u00fctzt. 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