Kurze Geschichte von Apfelstrudel und Totenruhe oder Sama a bissl empfindlich, oda wos?

Diesem Text aus dem August 2017 ist nichts hinzuzufügen. Und wenn nicht einen sehr überempfindlichen Magen hast, würde ich dir die Lektüre empfehlen:

Auf die steinerne Tischplatte hat er gekotzt. Dabei hatte der Cousin nur wahrheitsgemäß auf seine Frage, woher sie diese edle, teure neue Tischplatte hätten, geantwortet: „Vom Friedhof, die hat nix gekostet, da haben´s ein Grab aufgelassen und ich war grad da, haha, oft hat man ein Glück, was?“ Gleich nach dem „was?“ haben zwei Stücke Apfelstrudel, vier Löffel Schlagobers, eine Tasse Kaffee mit Milch und Zucker und auch das kleine Likörchen seinen Körper in leicht anverdautem Zustand schwallartig verlassen und die blank polierte schwarze Granitplatte im Garten seines Vetters sowie die darauf von dessen Frau drapierte Kaffeejause besudelt.

Jetzt riecht es etwas unappetitlich und der steinerne Gartentisch ist verweist. Die feine Gesellschaft hat beschlossen, die zweite Tasse Kaffee und das dritte Stückchen Strudel drinnen im Haus des Cousins einzunehmen. Einzig dessen Gattin umschwärmt den Tisch, einen gelben Lappen in der Hand führend und damit routiniert schrubbend. Sie weiß, wie man das edle Stück sauber bekommt. Oft genug hat sie am städtischen Friedhof den Taubendreck vom Grabstein ihrer verstorbenen Großeltern waschen müssen. „Damit das Andenken unserer Vorfahren nicht gestört wird!“

Gewidmet: Herrn Heinrich Fangmayer, Herrn Dir. A.D: Engelbert Fangmayer